Zahnlabor.de Forum

Alles rund um Zahn und Labor => Azubis fragen Techniker => Thema gestartet von: sonstwer am 05.Mai 2008, 19:34:40



Titel: Kronen aus Metall/Kermaikverbund
Beitrag von: sonstwer am 05.Mai 2008, 19:34:40
Hallo.

Als technisch interessierter Patient wär's für mich prima, wenn mal jemand einen Link (oder wenn's echt nicht anders geht, Buchtip) verlinken könnte.

Thema:

Kronen aus Metall/Kermaikverbund. Finktionsweise/Zielsetzungen. Wo/wann welche Materialstärken  (in Abwägung mit Substanzverlust und Ästhetik).

Das ganze möglichst in einer Form, die ein technisch halbwegs gebildeter Mensch mit eng begrenztem Interesse für die Materie halbwegs nachvollziehen kann.



Titel: Re: Kronen aus Metall/Kermaikverbund
Beitrag von: oli am 06.Mai 2008, 12:54:21
Hallo!
Ich werde Dir in den nächsten Tagen etwas zusammenstellen und hoffe die Infos reichen aus. Dauert aber noch etwas, da ich momentan sehr viele Zähne machen muß und nur begrenzt im Forum sein kann. Bis die Tage, Gruß Oli


Titel: Re: Kronen aus Metall/Kermaikverbund
Beitrag von: oli am 12.Mai 2008, 22:16:01
Hallo "sonstwer"!
Hat bissl gedauert mit der Antwort, aber jetzt...!
Hier erstmal die Vor-bzw. Nachteile einer Metallkeramikkrone:
Vorteile:
- preiswerte Alternative (Betonung Alternative)
- gute Formbeständigkeit
- hohe Lebenserwartung (10-15 Jahre)

Nachteile:
- Bei Zahnfleischrückgang werden Kronenränder sichtbar
- opakes Aussehen (d.h. weniger Lichtdurchlässigkeit)
- Im dünnen Zahnhalsbereich lässt das Metall Keramik dunkel erscheinen
- Lösung Keramikschulter-aber Mehrkosten durch Privatleistung

Kurze Zusammenfassung der Legierungen: (Ich verwende allerdings nur Hochgoldhaltige Legierungen)
1. Edelmetall:
- Hochgoldhaltig-paladium-silberfrei, 86,0% Gold, 11,4% Platin,       
Biokompatibel           
2. Edelmetall-Reduziert:
- Goldreduziert-Silber-Kupferfrei, 51,5% Gold, 38,5% Paladium, 8,5% Indium
3. Paladium-Basis(Silberfarben):
- 6,0% Gold, 74,8% Paladium, 7,0% Silber

Die Herstellung:
Es wird ein verkleinertes Gerüst des natürlichen Zahnes modelliert, Metallstärke im Frontzahnbereich nicht unter 0,4mm. Im Backenzahnbereich ist eine Stärke von 0,6-0,6mm vertretbar durch die hohen Kaubelastungen.
Das Gerüst wird ausgearbeitet und einem Oxidbrand unterzogen. Hierbei trennen sich die nichtbenötigten Oxide von den Haftoxiden welche für den Keramikverbund benötigt werden. Auf das gereinigte Gerüst (Säurebad) wird nun in mehreren Schritten Keramik aufgebrannt bis die entgültige Zahnform erreicht ist.

Nun zur Abwägung Substanzverlust/Ästhetik:
Bei der Metallkeramikkrone kann durchaus etwas weniger Zahnsubstanz wegpräpariert werden, da die stabilität durch das Metallgerüst erreicht wird. Das geht natürlich auf Kosten der Ästehtik. Vor allem im Frontzahnbereich ist das der entscheidende Nachteil. Mit den heutigen Keramikmassen zur Herstellung von Vollkeramikkronen würde ich immer den  Kompromiss eingehen mehr Zahnsubstanz zu verlieren. Mit der Vollkeramikkrone kann ich eine sehr natürliche Farbe erreichen. Als Ersatz zum Goldgerüst verwendet man heutzutage gerne keramische Zirkon-Gerüste (ZrO2). Diese sind entweder weiss oder in die gewünschte Zahnfarbe eingefärbt. Zirkonoxid ist seit Jahren im Einsatz und hat eine optimale biologische Verträglichkeit. Es unterliegt durch seine Glasfreiheit keiner Spannungskorrosion.

Das ganze nochmal kurz zusammengefasst:
Wenn es aus klinischer Sicht vertretbar ist, würde ich immer zur Vollkeramikkrone raten. (In seltenen Fällen ist eine Präparation für eine Vollkeramikkrone nicht möglich, da bleibt leider nur die Metallkeramikkrone).
Der Nachteil der Vollkeramik:
-Keine Kassenleistung, privater Anteil recht hoch, daher dringender Rat in der heutigen Zeit: Zahnzusatzversicherung!!!
Vorteil:
- Hohe Ästhetik
Im Seitenzahnbereich ist Metallkeramik durchaus vertretbar. Da es in der Mundhöhle meist recht dunkel ist und Dir niemand auf der Strasse mit einer OP-Leuchte in den Mund brennt, sind hier Metallkeramikkronen von der Ästhetik her auch gut herzustellen.
Wenn man natürlich bestrebt ist, seinen Mund Metallfrei zu halten, gibt es durch o.g. Zirkonoxid auch keine Bedenken Seitenzahnkronen oder Brücken anzufertigen.
Immer Vorausgesetzt dass es klinisch indiziert ist.

Zum Abschluss noch einen Internet-Tip zum nachlesen für die Details.
www.zahnwissen.de

So, ich hoffe ich habe Deine Fragen mit nicht zuviel Fachchinesisch beantwortet...!?
Falls Du noch Fragen hast - nur zu!

Viele Grüsse aus Oberstdorf,
Oli



Titel: Re: Kronen aus Metall/Kermaikverbund
Beitrag von: sonstwer am 15.Mai 2008, 15:03:52
Vielen Dank. Das ist ja schonmal informativ.

Hm, ich habe aber trotzdem noch Fragen.

Als ich mit meinen Kronen beim Zahntechniker war zwecks Nachschleifens war, hat der irgendwas von Mindestmaterialstärken, Garantie und sowas gemurmelt. Hat dabei aber etwas von 1mm gemeint, und daß das ja nach gar nicht viel klänge (was ich überhaupt nicht fand)

Ich meine, kann es denn ernsthaft sein, daß der Zahntechniker meinen Wunsch (möglichst genau die ursprüngliche Zahnform) nicht (mehr?) erfüllen kann, weil die Keramik eine bestimmte Dicke haben muss?

Die Kronen sind teilw. absichtlich dunkel verfärbt, um in meinem eher dunklen, Nikotinverfärbten Gebiss unauffällig zu erscheinen. Gemalt? Aufwendig? Nach dem Brennen?









Titel: Re: Kronen aus Metall/Kermaikverbund
Beitrag von: sonstwer am 15.Mai 2008, 15:10:20
Achso, das wichtigste vergessen:

Die Kronen sind mir an der Schneidekante zu stumpf. Das vermindert natürlich ihre Schneidende Wirkung. Kann man da beliebig scharfkantig schleifen?


Titel: Re: Kronen aus Metall/Kermaikverbund
Beitrag von: sonstwer am 16.Mai 2008, 00:36:06
Aha. Sieh', das hätte ich jetzt gar nicht gedacht, daß die Keramik selbst im metallnahen Bereich tatsächlich Mindeststärken hat, und dann auch noch so derbe (1mm ist ja echt viel; so ein Zahn ist ja nicht besonders gross).

War denn wahrscheinlich isgesamt ein Missverständnis darüber, was ich eigentlich weggeschliffen haben wollte. Und mag auch wohl angehen, daß der ZA etwas konservativ mit Zahnsubstanz umgeht (ist ja sein Job).

Gut, also wie scharfe Kanten man hinbekommt hängt also vom Material ab.

Aber um jetzt hier nicht mit meinem konkreten Fall zu langweilen (dafür habe ich einen Thread "Unzufireden mit neuen Kronen" im Patientenforum):


Was ist denn jetzt eigentlich der Zweck von dem Metall?

Daß man vorerst billigere Keramiken verwenden kann? Wär' das denn so eine Katastrophe, wenn die Keramik mal bricht? Ist doch bestimmt besser für den Restzahn, wenn eher die Keramik bricht, als wenn da Metallteile an der Wurzel zerren.

Gegenbiss wäre da ja kein wirkliches Argument, schätze ich. Da könnte man ja (sofern überhaupt nötig) einfach etwas Metall aufdampfen, oder so.



Titel: Re: Kronen aus Metall/Kermaikverbund
Beitrag von: sonstwer am 21.Mai 2008, 23:22:51
Und nochmal die Sinnfrage_Metall in anders:

Nach entsprechender Umrechnung steht auf meiner Rechnung vom Zahnlabor, daß pro Zahn (2er bzw. 3er OK) etwa soviel Metall verwendet wurde, wie ein Kügelchen mit 6mm Durchmesser.

Vom Preis her passt das auch zu Beispielangaben, die ich im Netz gefunden habe. Aber es sieht unter der Keramik schon irgendwie doch nach deutlich weniger aus. Wozu soviel davon?


Titel: Re: Kronen aus Metall/Kermaikverbund
Beitrag von: Zahnlabor Admin am 22.Mai 2008, 11:11:46
Hallo,
Das Metallgewicht bei einer Metallkeramikkrone kann je nach Zahnstumpfgrösse zwischen 1 und 2,5 Gramm variieren.
Bedenke die Fläche!!
Ausserdem müssen die Metallteile etwas dicker modelliert werden um einen sauberen und homogenen Guß zu erreichen.
Weiterhin wird die Oberfläche mit Fräsern gleichmässig auf die geforderte Minimalstärke reduziert. Man spricht hier vom Schleifverlust, der ca. 10-15 % beträgt.

Grüsse
Michael


Titel: Re: Kronen aus Metall/Kermaikverbund
Beitrag von: sonstwer am 22.Mai 2008, 17:47:35
Das Metallgewicht bei einer Metallkeramikkrone kann je nach Zahnstumpfgrösse zwischen 1 und 2,5 Gramm variieren.
Bedenke die Fläche!!

Stimmt, viel Metallfläche ist da wohl auf der Rückseite. Mir ist wie gesagt auch noch gar nicht so richtig klar, wie das Metalgerüst eigentlich grob aussieht, und warum.

Es scheint so von der Form her sowas wie ein Fingerhut oder ein Ring zu sein, an dem dann auf einer Seite ein im Vgl. sehr grosses "Blech" hängt.

Das drängt natürlich den Gedanken auf, daß es vielleicht einfacher ist, Metall in die inverse Stumpfform zu giessen, als Keramik entsprechend zu Fräsen (oder wie auch immer man das machen würde).

Andererseits hätte ich intuitiv auch eher vermutet, daß zunächst die Keramik gebrannt wird, und dann erst das Metall eingebracht werden kann. Naja, ich habe mir inzwischen mal ein Datenblatt zu irgendeiner Zahnkeramik angesehen, und so herausgefunden, daß die wohl mit Spitzentemperatuuren deutlich um grob 700°C gebrannt werden können.

Wenn also wirklich erstmal das Einpassen auf den Zahnstumpf ein Hauptargument für die Verwendung von Metall sein sollte, dann ist damit wohl auch schon der Hauptnachteil (Metallschatten im Stumpfbereich)  begründet.

Aber wozu jetzt diese grosse Fläche (kann man ja zu einem Zeitpunkt, an dem Gold so teuer ist, wie sonst Platin, ruhig mal fragen)? Eher aus bissmässigen, Abriebtechnischen Gründen, um ein zugfestes Material dabei zu haben, oder eher um weniger Arbeit mit der Gestaltung von Gegenbissfähigen Flächen zu erzeugen?